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Satrap
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Satrap (altpersisch xĆĄaçapÄvÄn, gelesen wie chschazapawan, âSchĂŒtzer der Herrschaftâ; altgriechisch ÏαÏÏÎŹÏÎ·Ï satrĂĄpes) war im antiken Perserreich der Titel des Statthalters eines Verwaltungsgebiets. Satrapen hatten eine politisch-administrative und militĂ€rische Leitungsfunktion, entsprechend einem heutigen Gouverneur. Das Amt wie auch das Herrschaftsgebiet eines Satrapen wird als Satrapie bezeichnet.
Contents
âą Begriff
âą Die Griechen
âą Buch Daniel
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Begriff
Der Begriff des Satrapen (altpersisch xĆĄaça-pÄ-vÄn-) wird auf der Inschrift von Dareios I. in Bisotun zweimal ĂŒberliefert. Darin werden der Satrap von Baktriencite-ref-2[2] und der Satrap von Arachosiencite-ref-3[3] von Dareios I. im Kampf gegen die Rebellen aufgeboten. Die Bedeutung einer Satrapie ist in den PrimĂ€rquellen der AchĂ€meniden nicht nachgewiesen. Das altpersische Wort fĂŒr Satrap setzt sich zusammen aus dem Substantiv xĆĄaça-, dem Verb pÄ- und dem Suffix vÄn-. Es wird mit âSchĂŒtzer des Reichsâ oder âSchĂŒtzer der Herrschaftâ ĂŒbersetzt.cite-ref-4[4]
Von Alexander dem GroĂen und im Seleukidenreich wurde dieser Begriff und die Funktion auf die reine zivile VerwaltungstĂ€tigkeit reduziert, also ohne die militĂ€rischen Aufgaben, die stattdessen einem Strategen (strategos) ĂŒbertragen wurden. Satrapen sind auch bei den Parthern bezeugt, die damit anscheinend Verwaltungsstrukturen der Seleukiden fortsetzten, sowie unter den Sassaniden. Weiter östlich sind sie auch bei den zwischen ca. 35 und 415 im Westen Indiens herrschenden Indo-Skythen belegt, die hier anscheinend auf griechische Verwaltungsstrukturen (zumindest in der Wortwahl) zurĂŒckgriffen.
Auch in deutschen Grabinschriften der FrĂŒhen Neuzeit wurde der Begriff Satrap in Bezug auf die VerwaltungstĂ€tigkeit von Juristen benutzt, zum Beispiel in Trier in einer Grabinschrift fĂŒr den Juristen Jakob Meelbaum de Castelberg (1598â1671), dessen Sohn âSatrap von St. Maximinâ war.
Satrapienliste nach Herodot
Nach der ErzĂ€hlung von Herodot hat Dareios I. das Reich in 20 Satrapien unterteilt und unterstellte diese Gebiete Statthaltern. Ebenfalls legte er jĂ€hrlichen Steuern fĂŒr jede Satrapie fest.cite-ref-7[7]
Der historische Wert dieser Ăberlieferung wird heute als gering eingeschĂ€tzt, da die Quellen, auf die Herodot zurĂŒckgreift, nicht angegeben sind. Man vermutet, dass ein Eindringen aus einer anderen literarischen Gattung stattgefunden und Herodot auf epische ErzĂ€hlungen zurĂŒckgegriffen hat.cite-ref-8[8]
| Satrapie | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Jonier | Magneter | Aioler | Karer | Lykier | Milyer | Pamphyler |
| 2. | Myser | Lyder | Lasonier | Kabaleer | Hytenneer | | |
| 3. | Phryger | Thraker | Paphlagoner | Mariandyner | Syrier | | |
| 4. | Kiliker | | | | | | |
| 5. | Phönizien | Syrien | Zypern | | | | |
| 6. | Ăgypten | Libyer | | | | | |
| 7. | Sattagyder | Gandarier | Dadiker | Aparyter | | | |
| 8. | Susa | Kissier | | | | | |
| 9. | Babylon | Assyrien | | | | | |
| 10. | Medien | Parianier | Orthokorybantier | | | | |
| 11. | Kaspier | Pausiker | Pantimather | Dareiter | | | |
| 12. | Baktrianer | bis zu den Aiglern | | | | | |
| 13. | Paktyrer | Armenier | | | | | |
| 14. | Sagartier | Saranger | Thamanaier | Utier | Myker | die auf den Inseln wohnen im Roten Meer | |
| 15. | Saker | Kaspier | | | | | |
| 16. | Parther | Chorasmier | Sogder | Areier | | | |
| 17. | Parikanier | Asiatische Aithioper | | | | | |
| 18. | Matiener | Saspeirer | Alarodier | | | | |
| 19. | Moscher | Tibarener | Makroner | Mossynoiker | Marer | | |
| 20. | Inder | | | | | | |
Völkerlisten und Darstellungen
Die AchĂ€meniden haben mehrere Listen von Völkern und Territorien auf Reliefs und Inschriften hinterlassen. In der Ă€lteren Forschung wurde versucht, die Listen und ihre Darstellungen auf politische Gegebenheiten oder mit den Listen von antiken Schriftstellern wie Herodot oder Thukydides abzugleichen und scheiterte an den UnregelmĂ€Ăigkeiten in der Anzahl, der bildlichen Darstellungen und Namen. Es wurde versucht, die Datierung der Inschriften ĂŒber die Inhalte der Listen festzulegen und scheiterte an der fehlenden historischen Genauigkeit. Die Listen bieten keinen Ăberblick ĂŒber persische Satrapien, die nach dieser Meinung mit Verwaltungseinheiten etwas anderes bezeichnen als der als ĂŒbergeordnet eingestufte altpersische Begriff aus den Inschriften, dahyava. Dieser bezeichnet sowohl Völker als auch Territorien. Ob damit auch Verwaltungseinheiten verstanden werden können, ist umstritten. Schlussendlich nannte George Cameron die Völkerlisten âdie ethnischen Gruppen, die es wert sind, erwĂ€hnt zu werdenâ.cite-ref-10[10] Nach Pierre Lecoq sind sie âdie Summe der Völker, die erobert wurdenâ.cite-ref-11[11] Insgesamt wird vor einer historischen Kategorisierung gewarnt, denn mit der möglichen Ausnahme der Inschrift DB hinterlassen die Völkerlisten und -darstellungen keine Hinweise auf achĂ€menidische Absichten, historische Dokumente zu erstellen. Vielmehr soll die Erinnerung an die Macht der Könige wach gehalten werden.cite-ref-12[12]
Die Listen der ethnischen Gruppen oder Angaben von Topologien sind nicht auf allen Inschriften gleich und manchmal werden verschiedene Begriffe fĂŒr das gleiche Volk benutzt. Die Ă€lteste Inschrift in Behistun, DB, zĂ€hlt 23 Völker auf, die Inschrift DPe in Persepolis 24cite-ref-13[13] und die Inschrift DNa in Naqsch-e Rostam 29 Völker. Die lĂ€ngste Liste stammt von der Inschrift XPh von Xerxes I. in Persepolis. Die ikonographischen Darstellungen sind ebenfalls zahlenmĂ€Ăig nicht einheitlich. 24 Völker sind auf der Ă€gyptischen Statue von Dareios I. zu sehen. Es gibt 30 ThrontrĂ€ger in Naqsch-e-Rostam und 23 GabentrĂ€ger in Persepolis.cite-ref-14[14]
Es ist nicht leicht, die Unterschiede zu erklĂ€ren. Man hat versucht, die kurzen und Ă€ltesten Listen mit dem damaligen Zustand des Reiches zu erklĂ€ren. Man ist also nicht ĂŒberrascht, dass Indien auf der Inschrift DB fehlt, da es erst einige Jahre spĂ€ter nach dem Entstehen der Inschrift erobert wurde. Eine systematische Abgleichung der Listen mit der jeweiligen Ausdehnung des Reichs hat aber zu keinem Ergebnis gefĂŒhrt. Man kann auch nicht erklĂ€ren, warum die Perser auf vier von fĂŒnf Listen fehlen. Auf der babylonischen GrĂŒndungsurkunde DSaa von Susa fehlen Indien und Nubien, obwohl andere Inschriften belegen, dass das in der gleichen Inschrift aufgefĂŒhrte Elfenbein aus diesen LĂ€ndern stammt. Auf der gleichen Inschrift fehlen die Thraker, Libyer, die Karer und die europĂ€ischen Skythen. Die Variationen drĂŒcken sich im Westen, der Ă€gĂ€ischen KĂŒste, im Norden und in Zentralasien aus. Es ist deshalb nicht möglich, dass die Listen als realistisches Bild des achĂ€menidischen Reichs aufgefasst werden können.cite-ref-15[15]
Ăhnliche Probleme ergeben sich von den Darstellungen der Völker auf den Reliefs. Aufgrund der Anzahl der GabentrĂ€ger pro Gruppe in Persepolis kann nicht auf die Wichtigkeit des jeweiligen Volkes geschlossen werden. Sie hĂ€ngt vielmehr von der GröĂe der Tiere ab, die mitgefĂŒhrt werden. Die gröĂten Gruppen fĂŒhren keine Tiere mit. Zum Beispiel sind die Meder zweimal dargestellt, einmal als Gruppe mit neun Personen ohne mitgefĂŒhrtes Tier auf der Westtreppe des Apadana und ein anderes Mal auf der Nordtreppe als Gruppe mit sechs Personen, die ein Pferd mitfĂŒhrt.cite-ref-16[16]
Die Angaben in der folgenden Tabelle der Völkerlisten wurden von den altpersischen Inschriften entnommen und bedienen sich der Ăbersetzung von RĂŒdiger Schmitt.cite-ref-17[17] Die babylonische Sprachversion der Inschrift DSaa wurde von François Vallat ĂŒbernommen.cite-ref-18[18] Die Positionen entsprechen der Reihenfolge der AufzĂ€hlung, die einer geographischen Ordnung entsprechen. Die Positionen der einzelnen Namen in der Inschrift XPh machen sichtbar, dass bei ihr die geographische Ordnung verloren gegangen ist.cite-ref-19[19]
| Position | DB [ 20 ] | DNa [ 21 ] | DPe [ 22 ] | DSaa [ 23 ] | DSe [ 24 ] | XPh [ 25 ] |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Persien | Medien | Elam | Persien | Medien | Medien |
| 2 | Elam | Elam | Medien | Elam | Elam | Elam |
| 3 | Babylonien | Parthien | Babylonien | Medien | Parthien | Arachosien |
| 4 | Assyrien | Areia | Arabien | Babylonien | Areia | Armenien |
| 5 | Arabien | Baktrien | Assyrien | Assyrien | Baktrien | Drangiana |
| 6 | Ăgypten | Sogdien | Ăgypten | Arabien | Sogdien | Parthien |
| 7 | (die Völker,) die am Meer (wohnen) | Chorasmien | Armenien | Ăgypten | Chorasmien | Areia |
| 8 | Lydien | Drangania | Kappadokien | die LĂ€nder des Meeres | Drangiana | Baktrien |
| 9 | Ionien | Arachosien | Lydien | Sardis | Arachosien | Sogdien |
| 10 | Medien | Sattagydien | die Ioner des Festlandes | Ionien | Sattagydien | Chorasmien |
| 11 | Armenien | Gandara | und (die,) die im Meer (wohnen) | Armenien | die Mekraner | Babylonien |
| 12 | Kappadokien | Indien | und die LĂ€nder, die jenseits des Meeres (sind) | Kappadokien | Gandara | Assyrien |
| 13 | Parthien | die amyrgischen Saken | Sagartien | Parthien | Indien | Sattagydien |
| 14 | Drangiana | die spitzmĂŒtzigen Saken | Parthien | Drangiana | die amyrgischen Saken | Lydien |
| 15 | Areia | Babylonien | Drangiana | Areia | die spitzmĂŒtzigen Saken | Ăgypten |
| 16 | Chorasmien | Assyrien | Areia | Chorasmien | Babylonien | die Ioner, die im Meer wohnen |
| 17 | Baktrien | Arabien | Baktrien | Baktrien | Assyrien | und die jenseits des Meeres wohnen |
| 18 | Sogdien | Ăgypten | Sogdien | Sogdien | Arabien | die Mekraner |
| 19 | Gandara | Armenien | Chorasmien | Gandhara | Ăgypten | Arabien |
| 20 | Sakien | Kappadokien | Sattagydien | Kimmerien | Armenien | Gandara |
| 21 | Sattagydien | Lydien | Arachosien | Sattagydien | Kappadokien | Indien |
| 22 | Arachosien | Ionien | Indien | Arachosien | Lydien | Kappadokien |
| 23 | Mekran | die Saken jenseits des Meeres | Gandara | Quadien [ 26 ] | die Griechen, die im/am Meer (sind) | die Daher |
| 24 | | Thrakien | die Saken | | die Saken jenseits des Meeres | die amyrgischen Saken |
| 25 | | die schildtragenden Griechen | Mekran | | Thrakien | die spitzmĂŒtzigen Saken |
| 26 | | Libyer | | | die Griechen jenseits des Meeres | Thrakien |
| 27 | | Nubier | | | Karer | die Akaufaka-Leute [ 27 ] |
| 28 | | Mekraner | | | | Libyer |
| 29 | | Karer | | | | Karer |
| 30 | | | | | | Nubier |
Die Griechen
Eine Untersuchung, die im Jahr 2001 erschienen ist, konzentriert sich auf die griechischen Gruppen, die in den Listen und den Darstellungen auf den Reliefs aufgefĂŒhrt sind. Auf den Keilinschriften werden sie mit dem altpersischen Begriff Yauna bezeichnet und mit Ionien ĂŒbersetzt. Von den 20 Namen, die auf allen Inschriften auftauchen, bezeichnen Yauna und die Skythen (Saken) als einzige gröĂere ethnische Körperschaften und sind entsprechend schwer fassbar. Sie werden in den Listen und Reliefs verschiedentlich aufgeteilt und sind an ihren GewĂ€ndern auf den bildlichen Darstellungen erkennbar, in den Keilschriften ĂŒber Attribute oder topographische Kriterien. Die topographischen Angaben sind auf den ersten Blick vielversprechend, aber sind nicht sehr genau. Zum Beispiel ist âdas Meerâ ein recht unbestimmter Begriff und hat zu heftigen Diskussionen gefĂŒhrt, wo die Griechen und Skythen âam und jenseits des Meeresâ zu lokalisieren sind.cite-ref-28[28]
Man hat angenommen, dass es sich auf den Listen um zwei feste Gruppen von âIoniernâ handelt, denen der Name Yauna oder Yauna mit zusĂ€tzlichen Attributen gegeben wurde. Bei nĂ€herer Betrachtung zeigt sich, dass dies nicht der Fall ist.cite-ref-29[29]
In der Inschrift DB wird eine einzige Gruppe als Yauna ohne zusĂ€tzliche Attribute aufgefĂŒhrt und mit Ionien ĂŒbersetzt. Eine zweite Gruppe (die Völker,) die am Meer (wohnen) (altpersisch tayaiy drayahya), die ohne ethnischen Namen gefĂŒhrt wird,cite-ref-30[30] wurde von Roland Grubb Kent 1943 als Satrapie von Daskyleion identifiziertcite-ref-31[31] und von RĂŒdiger Schmitt 1972 ĂŒbernommen.cite-ref-32[32] Nach der Meinung von Heleen Sancisi-Weerdenburg könnte aber damit in den Augen der persischen Behörden eine gemischte ethnische Zusammensetzung ohne erkennbare dominante Gruppe gemeint sein. Möglicherweise gehörten die Karer dazu, die zwischen Ăgypten und Lydien angesiedelt werden. Ihrer Meinung nach gibt es keine Hinweise, dass mit tahyaiy drayahya eine Satrapie bezeichnet ist.cite-ref-33[33]
In der Inschrift DNa und den Grabreliefs von Naqsch-e Rostam gibt es zwei Gruppen: Yauna ohne zusĂ€tzliche Attribute und Yauna takabara. Sie werden mit Ionien und die schildtragenden Griechen ĂŒbersetzt.cite-ref-34[34] Bei den beiden Informationsquellen, der Inschrift und dem Relief, spielt das Relief die federfĂŒhrende Rolle, wie es Dareios I. in der Inschrift sagt: âWenn du nun ĂŒberlegen solltest: âWie viele (sind) jene LĂ€nder, die Dareios, der König, in Besitz hatte?â, (so) betrachte die Abbilder (StĂŒtzfiguren), die das Throngestell tragen.âcite-ref-35[35] Die fĂŒhrende Rolle der Ikonographie bei der Erstellung der Gesamtkomposition fĂŒhrte dazu, dass Attribute eingefĂŒgt wurden, die die Unterschiede der Völker sichtbar machen und von den Texten ĂŒbernommen wurde. Die Ionier tragen die gleichen Kleider wie die schildtragenden Griechen, die aber mit einer zusĂ€tzlichen Kopfbedeckung, dem Schild, dargestellt sind. Der babylonische Text beschreibt sie als âdie anderen Ionier, die einen Schild auf ihren Köpfen tragen.âcite-ref-36[36]
In der Inschrift DPe findet sich der Begriff ohne ethnischen Namen der Inschrift DB wieder, die LĂ€nder, die jenseits des Meeres (sind) (dahyava taya para-draya), und eine gröĂere Gruppe mit verschiedenen Völkern bedeuten könnte. DarĂŒber hinaus gibt es zwei Gruppen, die mit die Ionier des Festlands (Yauna tayaiy uskahya) und die im Meer wohnen (tayaiy drayahya) ĂŒbersetzt werden.cite-ref-38[38]
Die Inschrift XPh, auch Daiva-Inschrift genannt, wird als unfertig und als nicht autorisierter Text eingestuft.cite-ref-39[39] In Bezug auf die Namen hat sich nichts verÀndert. Es gibt die Ioner, die im Meer wohnen (Yauna tayaiy drayahya darayatiy) und die Ioner, die jenseits des Meeres wohnen (tayaiy paradray darayatiy). Im Unterschied zu den Völkerlisten in den anderen Inschriften lÀsst die Inschrift aber eine geographische Organisation vermissen und die bisherigen Positionen der griechischen Gruppen innerhalb der Liste sind völlig anders. Auf dem Relief des Apadana, das in Verbindung zu XPh stehen könnte, wird nur eine Gruppe der Yauna dargestellt und auch dort ist die bisherige Anordnung (neben Sparda) geÀndert. Die Darstellung mit nur einer Gruppe anstatt zweien wird dahingehend erklÀrt, dass die Gruppen der Liste visuell durch ihre Attribute nicht unterschieden werden konnten und eine Diskrepanz zwischen Liste und Bild den Vorstellungen der Reliefmacher widersprochen hat.cite-ref-40[40]
Wenn es in der persischen Wahrnehmung zwei klar definierte Gruppen von Yauna gegeben hĂ€tte, von denen die eine am Meer oder sogar in der Region Daskyleion lebte und die andere ihren Wohnsitz woanders hatte, ist es ziemlich unerklĂ€rlich, warum die erste Gruppe nicht konsequent so genannt wurde. Es ist deshalb möglich, dass die Listen bei jeder spezifischen Gelegenheit neu zusammengestellt wurden. Aus der Sicht der Perser könnte die groĂe Gruppe der Yauna eine kohĂ€rente und homogene Gruppe gewesen sein, die einzig mit dem BedĂŒrfnis unterschieden wurde, zwei Gruppen wĂ€hrend unterschiedlichen EroberungszĂŒgen zu verschiedenen Zeiten festzuhalten, um sie der Erinnerung zu erhalten. Die Variationen der Ăberlieferungen lassen sich am besten durch sprachliche Entwicklungen und VerĂ€nderungen in der Produktion der Inschriften und Reliefs erklĂ€ren. Historische Gegebenheiten wie sie von den griechischen Schriftstellern ĂŒberliefert sind, sind fĂŒr die Yauna nicht wichtig. FĂŒr die Rekonstruktion von historischen Fakten sind die Völkerlisten in den meisten FĂ€llen nutzlos.cite-ref-41[41]
| Altpersischer Ausdruck [ 42 ] | DB [ 43 ] | DNa [ 44 ] | DSe [ 45 ] | DPe [ 46 ] | XPh [ 47 ] |
|---|---|---|---|---|---|
| tayaiy drayahya/dahyava taya para-draya | (die Völker,) die am Meer (wohnen) | | | die LÀnder, die jenseits des Meeres (sind) | |
| Yauna | Ionien | Ionien | | | |
| Yauna takabara | | die schildtragenden Griechen | | | |
| Yauna tayaiy drayahya/tayaiy drayahya darayatiy | | | die Griechen, die im/am Meer sind | | die Ioner, die im Meer wohnen |
| Yauna tayaiy paradraya/uta tayaiy paradray darayatiy | | | die Griechen jenseits des Meeres | | und die jenseits des Meeres wohnen |
| Yauna tayaiy uskahya uta tayaiy drayahya | | | | die Ionier des Festlands und die, die im Meer wohnen | |
Buch Daniel
âEs schien Darius gut, und er setzte ĂŒber das Königreich 120 Satrapen, die ĂŒber das ganze Königreich sein sollten, und ĂŒber sie drei hohe Beamte, von denen Daniel einer war, damit diese Satrapen ihnen fortwĂ€hrend Bericht ablegten und der König selbst nicht zum Verlierer wĂŒrde.â
Die Anzahl der Satrapen aus der Bibel mag auf den ersten Blick verwirrend sein angesichts der 20 von Herodot ĂŒberlieferten Verwaltungseinheiten des achĂ€menidischen Reichs. Die Quelle ist ein Hinweis, dass das Amt eines Satrapen nicht auf die FĂŒhrung einer Verwaltungseinheit der höchsten Ebene festgelegt war. Das unterstreichen auch Ăberlieferungen von verschiedenen Inschriften aus dem achĂ€menidischen Reich, die nicht von den Königen in Auftrag gegeben wurden, und weitere literarische Quellen der antiken Schriftsteller. Ein Satrap kann deshalb als der höchste Beamte eines bestimmten Verwaltungsgebiets definiert werden, unabhĂ€ngig von dessen hierarchischer Ebene.cite-ref-48[48]
AchÀmenidische Verwaltung
Ein anderer Ansatz verbindet die achĂ€menidischen Völkerlisten und Darstellungen mit gewonnenen Daten aus den Verwaltungsarchiven von Persepolis, der Liste der Satrapien und Satrapen des Alexanderreichs und verschiedenen anderen archĂ€ologischen Funden auf dem Gebiet des AchĂ€menidenreichs. Der Ansatz geht davon aus, dass die Gliederung des Reichs bereits unter Kyros II. begonnen hatte, da es unwahrscheinlich ist, dass das groĂe Reich beinahe ein Vierteljahrhundert bis zur Machtergreifung von Dareios I. ohne effektives Verwaltungssystem bestehen konnte. Es ist auch die einzige ErklĂ€rung, warum das Reich wĂ€hrend der Unruhen 522 bis 520 v. Chr. nicht auseinanderbrach.cite-ref-49[49]
Die KontinuitĂ€t und StabilitĂ€t lassen sich an der unverminderten Bedeutung ehemaliger HauptstĂ€dte wĂ€hrend der achĂ€menidischen Epoche bestimmen. Die verfĂŒgbaren Quellen zeigen, dass die mit diesen StĂ€dten verbundenen Satrapen jedes Mal neu vom Hof ernannt wurden. Die ĂŒbrigen Satrapenposten wurden entweder von einer einheimischen oder einer iranischen Familie, die von auĂen zugezogen war, vererbt. Die vom Hof ernannten Satrapen waren Prinzen der achĂ€menidischen Familie oder Mitglieder der privilegierten Familien, die zu den engsten UnterstĂŒtzern von Dareios I. gehörten und ihm wĂ€hrend der Rebellion zur Seite gestanden waren.cite-ref-50[50]
Die Verwaltungsarchive von Persepolis geben nur die Namen von Personen wieder und keine RĂ€nge innerhalb der Hierarchie. Die Verbindung von Namen zu den Ămtern der Satrapen wurde nur ĂŒber die Ăberlieferungen der klassischen Autoren möglich gemacht. Parnakka ist die Figur mit dem höchsten identifizierten Rang. Er wird mit dem Amt des Satrapen fĂŒr die Provinz Parsa verknĂŒpft. Sein Rang wird in den Archiven nie erwĂ€hnt. Das Gleiche gilt fĂŒr Axvamazda, der ĂŒber seine Korrespondenz mit einem Untergebenen, Bagavant, bekannt ist. Axvamazda war wahrscheinlich der Satrap von Baktrien, ein Nachfolger von DÄdarĆĄiĆĄcite-ref-51[51] und VorgĂ€nger von Bessos.cite-ref-52[52]
Die Ablösung der frĂŒheren Herrscher durch hochrangige Beamte bedeutete, dass frĂŒhere unterschiedliche Konzepte und Ideologie lokaler KönigtĂŒmer durch eine uniforme Verwaltung ersetzt wurden. Die Folgen dieses Integrationsprozesses sind in gewisser Weise vergleichbar mit dem Gebrauch der Sprache in den Verwaltungshierarchien. WĂ€hrend auf der oberen Ebene die aramĂ€ische Sprache fĂŒr die reichsweite Kommunikation in einer erstaunlich homogenen Form verwendet wurde, waren auf regionaler Ebene sehr oft andere Sprachen in Gebrauch, wie zum Beispiel die elamische, akkadische, demotische, lydische und griechische Sprache, um nur einige zu nennen. Die Verwendung der aramĂ€ischen Sprache in den oberen Hierarchiestufen spiegelt die HomogenitĂ€t der Verwaltung wider. Die Stellung von DÄdarĆĄiĆĄ und Bessos in Baktrien war vergleichbar mit der von Artaphernes und Tissaphernes in Lydien. Die Position von Maussolos in Karien und von Syennesis in Kilikien war vergleichbar mit der von Porus in der PanǧÄb.cite-ref-53[53]
Die ZustĂ€ndigkeit der von Satrapen geleiteten Verwaltungszentren erstreckte sich auf klar definierte Gebiete. Die Verwaltungsarchive von Persepolis spiegeln solch ein Verwaltungszentrum und deckten ein Gebiet in der GröĂe der Schweiz ab. GemÀà dieser Quellen waren die Satrapen fĂŒr die Steuern und die Sicherheit auf ihrem Gebiet zustĂ€ndig. Ebenso unterstĂŒtzen sie den König auf seinen EroberungsfeldzĂŒgen.cite-ref-54[54]
Wenn ein Reisender ein Dokument mit sich trug, das ihm Reiseproviant und Unterkunft auf seiner Reise zum Beispiel von Baktrien nach Ăgypten versprach, dann setzte das eine Verwaltung voraus, bei der das Dokument eine GĂŒltigkeit ĂŒber die Grenzen der Provinz hinaus hatte. Die Terminologie musste ĂŒberall verstanden und das Siegel anerkannt werden. Um die MobilitĂ€t sicherzustellen, war die Sicherstellung des Ablaufs fĂŒr verschiedene Reisende wie NachrichtenĂŒberbringer, Soldaten und Handwerker, bedeutend. Eine uniforme Verwaltung gehörte zu den Voraussetzungen der StabilitĂ€t und dem Zusammenhalt des Reichs. Dreieckige Schilder und SiegelabdrĂŒcke aus Daskyleion, Seyitömer HöyĂŒk, Girsu und den Archiven von Persepolis bestĂ€tigen die ĂŒber das ganze Reich verteilten vergleichbaren Autorisierungen. Formelle Ăhnlichkeiten bei Korrespondenzen wie die Faltung der Dokumente, die Anrede und Adressierung, die Art der Zusammenfassungen des Inhalts weisen darauf hin, dass ein gut organisiertes System von Kanzleien, ĂŒber das ganze Reich verteilt, bestanden haben muss, das ĂŒber Schreiberschulen ausgebildet wurde.cite-ref-55[55]
Das administrative System bestand wĂ€hrend der ganzen Herrschaft der AchĂ€meniden und unterlag keinen bedeutsamen Ănderungen. Die KontinuitĂ€t wird sichtbar, wenn man den altpersischen Begriff dahyava aus den Völkerlisten nicht einfach mit Völker und Territorien ĂŒbersetzt, sondern als territoriale Einheiten versteht, die als provinziale Gliederung einer bestimmten Hierarchiestufe angesehen werden können. Wenn die EintrĂ€ge in den Listen der dahyava der frĂŒhen AchĂ€menidenzeit mit den Provinzen verglichen werden, in denen Alexander dem GroĂen wĂ€hrend seiner Eroberung des Reiches entweder bestehende Statthalter im Amt belieĂ oder sie durch eigene Personen ersetzte, sind die Namen der östlichen Provinzen weitgehend identisch. In Kleinasien umfasst die Liste von Alexander dem GroĂen Provinzen von untergeordneter Bedeutung, die nicht in den Listen der dahyava vorkommen. Ăbereinstimmungen zwischen den achĂ€menidischen LĂ€nderlisten, den Ethnonymen in den Dokumenten des Festungsarchivs von Persepolis und den aus der Zeit Alexanders des GroĂen bekannten beweisen, dass die Satrapenverwaltung ein kohĂ€rentes System war, das ĂŒber einen Zeitraum von mehr als 200 Jahren stabil blieb.cite-ref-56[56]
Siehe auch
Literatur
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Weblinks
Wiktionary: Satrap
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Livius.org: Liste der Satrapien
âą Bruno Jacobs: Achaemenid Satrapies. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): EncyclopĂŠdia Iranica. (englisch, iranicaonline.org â mit Literaturangaben).
⹠Josef Wiesehöfer: Provinz (persisch). In: Michaela Bauks, Michael Pietsch, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff., abgerufen am 11. Oktober 2019.
Einzelnachweise
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